„Satisfaction“ meets „Kling Klang“

Als Martin Weigel noch der lustvolle Gedanke seiner Eltern war – 1980 – wurde die Band „Keimzeit“ (damals zunächst „Jogger“) gegründet.

Lange Zeit später, nämlich 2012, stieß der inzwischen erwachsene Martin Weigel als jüngstes Mitglied zu diesem Urgestein von Band. Aktuell besteht die Band aus Norbert Leisegang, Hartmut Leisegang, Andreas „Spatz“ Sperling, Lin Dittmann, Sebastian Piskorz und eben Martin Weigel.

Martin Weigel

Martin Weigel

Gerade spielte Weigel – der ein großer Fan der „rollenden Steine“ ist – mit „Keimzeit“ in Norwegen beim „Midtsommerjazz 2014“. Mit leuchtenden Augen und großer Begeisterung erzählt er von seinen Eindrücken und natürlich wollen wir von ihm wissen, wie das so ist, als Newcomer in einer Band.

 Paula Friesee:
Erzähl doch mal, wie war es in Norwegen? Ihr seid ja sehr überraschend dort eingeladen worden.

 Martin Weigel:
Na ja die Geschichte geht so: Vor zwei Jahren, als das erste Album vom „Keimzeit Akustik Quintett“, was ja ein Ableger von „Keimzeit“ ist, dort aufgenommen wurde, gab es dort schon ein wunderbares Tonstudio. Und die Band ist damals dort hingefahren, um die Platte aufzunehmen. Das war zu der Zeit, als ich meine ersten Konzerte mit „Keimzeit“ spielte – zunächst nur als Aushilfe für den Aushilfsgitarristen. Und so kam es, dass Norbert mich fragte, ob ich nicht auch Lust hätte, im „Akustik Quintett“ zu spielen. (Das hab ich allerdings zunächst abgesagt, genauso wie bei „Keimzeit“ zu spielen.)

Nun ist es so, dass das Umfeld von diesem Tonstudio eine Event-Agentur gegründet hat und die Leute in Norwegen Festivals ausrichten – eben unter anderem dieses Festival „Midtsommerjazz“. Sie kannten die Band noch von den Aufnahmen, nach denen der Kontakt nicht einfach abgerissen ist. Und so kamen sie auf die Idee, dass es doch nett wäre, wenn „Keimzeit“ dort spielen würde.
Es war….es ist insgesamt toll. Überhaupt dort hinfahren zu können und dort als deutsche Band zwischen lauter Norwegern zu spielen – einfach toll. Und Norwegen ist toll.

 Paula Friesee:
Wie haben die Leute Euch und vor allem die deutschen Texte aufgenommen?

 Martin Weigel:
Na ja, es ist schon so, dass wenn du dort hinfährst und nicht mit Englisch kommst, dass du Angst hast, dass dich keiner versteht. Aber dann fanden die Leute es schlichtweg gut. Wir haben am Nachmittag den Soundcheck gemacht und da blieben schon die ersten Leute stehen. Das setzte sich am Abend fort. D.h., dass wir super aufgenommen wurden. Und so war die Sprache doch kein Hindernis. Die Norweger sind einfach musikbegeistert. Nicht wie in Deutschland, wo irgend jemand sagt: „Nee, das ist nicht meine Musik.“ und dann nicht hingeht. In Norwegen ist irgendwo Musik und alle gehen hin.

 Paula Friesee:
Viele Stamm-Konzert-Besucher von „Keimzeit“ werden Dein Gesicht und Deine Gitarre(n) schon kennen, einigen wirst Du gänzlich neu sein. Bist Du innerhalb der Band auch noch der Neue?

  Martin Weigel:
Ja, ich bin immer noch der Neue. Obwohl, es gab ja den Umstand, dass im letzten Jahr der dritte Leisegang-Bruder, der Roland, die Band verlassen hat. Deshalb haben wir im letzten Jahr mit drei verschiedenen Schlagzeugern gearbeitet haben, so dass ich nicht der ganz Neue bin. Da kann ich auch schon mal ‘ne große Fresse haben. Aber so insgesamt im Gefüge ist es schon so, dass ich doch noch der Neue bin. Vor allem für das Publikum.

 Paula Friesee:
Aber innerhalb der Band bist Du inzwischen gleichgestellt?

  Martin Weigel:
Ja schon. Die anderen, also vor allem Norbert oder Hartmut oder Andreas haben natürlich schon ein anderes Standing. Aber das heißt jetzt nicht, dass meine Meinung nicht gehört wird. Wir sitzen am Tisch, wenn etwas diskutiert wird. Und um das Beste für die Band zu finden, zählt am Ende nur, welche Idee die Beste ist – nicht von wem sie kommt. Das ergibt sich letztlich von selbst.

Es gibt auch nichts, was ich nicht dürfte. Ich wüsste auch kein Beispiel, dass mal gesagt wurde: „Das ist blöd, weil es von Dir kommt.“

 Paula Friesee:
Wie hast Du es angestellt in so eine Band zu kommen? Gab es eine Art Casting oder eine Stellenausschreibung „Band sucht …“?

 Martin Weigel:
Norbert hat mich angerufen. Das war ganz einfach. Mein Telefon hat geklingelt. „Ja hey Martin, hier ist Norbert.“ Wir kannten uns ja. Einige Mitglieder der Band kannte ich schon besser aus anderen Projekten und andere nur flüchtig. Aber wir wussten voneinander ungefähr was wir machen. Und Norbert fragte mich, was ich dieses Jahr (2012) noch mache und ob ich nicht Lust hätte, Gitarre bei „Keimzeit“ zu spielen. Lust hatte ich eigentlich schon, aber ich war auch meiner damaligen Band sehr verbunden. Außerdem habe ich gerade meine Masterarbeit geschrieben und hatte insofern im Prinzip keine Zeit. „Keimzeit“ spielte damals gerade die „30-Jahre-Tour“ – es ging also doch um einen großen Zeitaufwand. D.h., ich wußte nicht so richtig, ob ja oder nein. Das habe ich Norbert auch so gesagt.

Mein bester Kumpel, Christian Schwechheimer, der jetzt Schlagzeuger beim „Keimzeit Akustik Quintett“ ist, sagte damals: „Mach’s doch, wenn Du Bock drauf hast.“

Also habe ich nochmal überlegt – letztlich habe ich dann erstmal „nein“ gesagt.

Dann hatte Keimzeit einen anderen Gitarristen gefunden, der an einigen Terminen nicht konnte. Und so hat mein Telefon wieder geklingelt. „Keimzeit“ wollte mich sozusagen als Aushilfe für den Aushilfsgitarristen für einige Konzerte auf die Bühne stellen. Für diese Termine habe ich zugesagt.

Dann kamen die fünf Konzerte – und die haben richtig, richtig viel Spaß gemacht. Norbert fragte danach: „Ja, wenn der andere Gitarrist nochmal nicht kann, spielst Du dann wieder mit uns?“ Das war ganz schön schlau, mich direkt nach den Konzerten zu fragen, wo ich echt Spaß hatte. Und er hat nochmal und nochmal angerufen…..

So habe ich dann immer mehr und mehr Konzerte gespielt und am Ende des Jahres 2012 stellte sich dann wirklich die Frage, komplett einzusteigen. Das habe ich dann auch gemacht.

 Paula Friesee:
Mit Deinem Zustoßen zur Band stand und steht zur Wahl „nur“ Ersatz zu sein oder eben maßgeblichen Einfluss zu haben. Doch einige Songs gibst Du selber auf den Konzerten zum Besten – wie ich im letzten Dezember erleben durfte. Wie viel Martin Weigel steckt jetzt also in „Keimzeit“?

 Martin Weigel:
Ach na ja, ich wurde gebeten, auch selbst etwas zu singen. Die Band wusste, dass ich früher über 10 Jahre lang eine eigene Band hatte. Die sich ziemlich schnell zu einer Rolling-Stones-Cover-Band entwickelt hatte. Regional kannten mich die Leute. Und als klar wurde, dass ich fest bei Keimzeit spielen werde, kam auch ziemlich schnell auf, dass ich selbst auch singen sollte. Norbert brachte noch das Argument, dass sich seine Stimme auch mal erholen kann. Trotzdem habe ich mich erstmal geziert. Was sollen die Leute denn davon halten, wenn auf der Bühne was anderes gesungen wird, als „Keimzeit“? Aber letztlich funktioniert das sehr gut.

Was meinen Einfluss auf die Band an sich betrifft – ja klar, das was ich mache ist natürlich etwas anders, als das, was die Gitarristen vor mir gemacht haben. So prägt dann mein Stiel im weitesten und hoffentlich besten Sinne auch die Band.

 Paula Friesee:
Deine anderen Projekte neben „Keimzeit“ – „The Pauls“, „Dirty Mac“ und „Moon Dance – Van Morrison Project“ – laufen die nebenbei weiter oder mussten sie ganz weichen?

 Martin Weigel:
Also „Dirty Mac“ war die Stones-Cover-Band. Die gibt es schon seit drei Jahren nicht mehr. Wir haben uns letztes Jahr mal einen Abend hingestellt auf einem Stadtfest in Belzig, wo wir halt alle herkommen. Die Leute haben immer gefragt, ob wir mal wieder spielen. Und dann haben wir gesagt: „Wir machen das genau an einem Abend – genau einmal.“

Mit „The Pauls“ waren wir recht erfolgreich, allerdings ging das auseinander. Als das damals war, ging ich sozusagen gerade zu Keimzeit.

„Moon Dance“ war ein Projekt von ganz vielen Musikern – auch aus Belzig. Diese Leute suchten damals einen Sänger, da war ich dann auch dabei. Aber im Prinzip war das auch einfach ein Projekt, so nebenbei.

 Paula Friesee:
Du hast mit der Musik sehr früh angefangen und wie viele andere Musiker auch mit dem Klavier. Warum hast Du beschlossen, zur Klampfe zu wechseln?

 Martin Weigel:
Na die Mädels stehen einfach mehr auf Gitarristen.

 Paula Friesee:
Standartantwort?

 Martin Weigel:
Nee, nee. Klavier habe ich ja klassisch gelernt und irgendwann mit vierzehn habe ich dann angefangen Gitarre zu spielen. In dem Alter entdeckt man irgendwie die Musik so richtig für sich und mein Vater hatte mir ein paar Griffe gezeigt. Irgendwann hatte ich gar kein Interesse mehr am Klavier. Das habe ich dann auch über zehn Jahre lang nicht angefasst. Jetzt hin und wieder schon.

 Paula Friesee:
Bei so vielen Konzerten und Terminen – kann man da noch ein gutes Privatleben führen? Sicher auch eine Art Lebensentscheidung – nicht nur für Dich?

 Martin Weigel:
So etwas ist nie einfach. Zum Glück habe ich eine Frau gefunden, die das versteht und selbst auch ein zeitintensives Hobby hat. Das funktioniert wirklich sehr gut und ich bin mehr als glücklich darüber.

 Paula Friesee:
Hast Du auch einen „bürgerlichen“ Beruf, frei nach dem Motto: „Kind, lern was Vernünftiges!“? D.h., gab es jemals einen Plan B, falls es mit der Musik nicht klappt?

 Martin Weigel:
Ich habe auch heute noch einen „richtigen“ Job. Musiker kann man nur aus Leidenschaft sein. Bei mir ist das so: Am Sonntag hänge ich die Gitarre in die Ecke und schnappe mir meinen Laptop. Am Donnerstag kommt dann der Laptop in die Ecke und ich nehme mir wieder die Gitarre. Und immerhin kann ich sagen: „Wenn ich mit „Keimzeit“ auf der Bühne stehe, ist das auch Arbeit.“ Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich die Leute, die das komplett neben dem Beruf machen, noch viel mehr bewundere. Die stecken nämlich ihre ganze Freizeit in die Musik.

 

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